Bestürzende Neuigkeiten aus Wölfelsdorf

von Heinz-Peter Keuten

Wölfelsdorf, am 21. April 2019

Vor wenigen Tagen habe ich erfahren, dass in meinem Wohnort Wölfelsdorf zusammen mit 8 anderen Standorten rund um das Glatzer Schneegebirge ein großflächiges Wasserauffangbecken entstehen soll, das die Grafschaft Glatz und im weitesten Sinne auch Niederschlesien vor so großen Überschwemmungen schützen soll, wie sie sich zuletzt 1997 in Wölfelsdorf und der Grafschaft ereignet haben. Damals drohte die Wölfelsgrunder Staumauer einzustürzen. Die dadurch entstehende Wasserwelle hätte Wölfelsdorf wahrscheinlich in Minutenschnelle hinweggespült und vollends zerstört.

Der Bau eines zusätzlichen Auffangbeckens scheint deswegen zunächst einmal eine gute Nachricht zu sein, denn alle Wölfelsdorfer können sich wohl noch heute gut daran erinnern, welche verheerenden Schäden 1997 in Wölfelsdorf entstanden sind. Beim zweiten Blick entpuppt sich die Nachricht aber als Hiobsbotschaft für unser Dorf: Das Staubecken soll nämlich auf dem Gelände von Wölfelsdorf entstehen! Und dazu sollen nach ersten Schätzungen 60-80 Häuser abgerissen und die Bewohner umgesiedelt werden! Was also durch Kriege und Bevölkerungsaustausch nicht zerstört wurde, soll demnach jetzt dem Hochwasserschutz (quasi prophylaktisch) zum Opfer fallen! Betroffen ist nach ersten Informationen das halbe Oberdorf links der Wölfel (und z.T. auch rechts bis zur Dorfstraße), vom Gelände der ehemaligen Frostfabrik aus bis weit ins Dorf hinunter, womöglich fast bis zum ehemaligen Oberhof. Die konkreten Pläne werden zeigen, welcher Bereich genau betroffen ist. Insgesamt sollen in der gesamten Grafschaft übrigens an die 1.170 (!) Umsiedlungen stattfinden.

ungefähr betroffene Häuser im Oberdorf

Die betroffenen polnischen Anwohner sind natürlich geschockt, und es wird sicherlich eine Bürgerbewegung geben, so dass es fraglich ist, ob das Projekt überhaupt umsetzbar ist. Andererseits steht es in den Sternen, ob sich die Behörden und die Regierung davon beeindrucken lassen. Man weiß ja, dass z.B. auch die jahrzehntelangen Proteste im rheinischen Braunkohlerevier in Deutschland letztendlich die meisten Umsiedlungspläne nicht verhindert haben, und dort waren sogar komplette Ortschaften betroffen. Man darf gespannt sein, was die nächsten Jahr diesbezüglich bringen werden. Ein Beginn der Arbeiten ist für 2025 geplant. Am Donnerstag, dem 18.4.2019, war bereits eine erste Sitzung von Vertretern des Staatlichen Wasseramtes mit der Bürgermeisterin und dem Stadtrat von Habelschwerdt – aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Betroffene Bürger, die teilnehmen wollten, wurden ausgeschlossen, was bereits zu Empörung in der Öffentlichkeit führte. Hoffen wir, dass es gelingt, unser Wölfelsdorf vor der Hochwassergefahr zu schützen, ohne dass ein erheblicher Teil der vorhandenen Dorfsubstanz dafür geopfert werden muss!

Heinz-Peter Keuten, Wölfelsdorf/Wilkanów

Übersetzung aus einem Beitrag im Internet vom 11. April 2019

Zwei Auffangbecken haben wir bereits, vier wurden hinzugebaut, und weitere neun sind in Planung. Falls sie wirklich entstehen, wird man über 48 Millionen Kubikmeter Wasser stauen können. Das entspricht der Füllmenge von 19 Tausend Olympiaschwimmbecken mit den Maßen von 50 x 25 x 2 m.

Die Polnische Nationale Wasserbehörde hat im Glatzer Landratsamt ihre Pläne bezüglich eines Ausbaus des Wasserstausystems vorgestellt. Analysiert wurden 16 Lokalitäten für den Bau neuer Staubecken. Die Experten haben für 9 von ihnen eine Empfehlung ausgesprochen. Dies macht nun den Weg frei für die nächste Etappe des Baus eines Hochwasserschutzsystems. In der Realität könnte mit dem Bau der neuen Staubecken nach dem Jahre 2025 begonnen werden.

Zwei haben wir
Zurzeit verfügt der Kreis Glatz über zwei Trockenauffangbecken: Eines in Seitenberg und das andere in Wölfelsgrund. Das erste kann 1,4 Mio. Kubikmeter stauen, das zweite fasst ungefähr 1 Mio. Was interessant ist: Das Auffangbecken und das Staubecken vor der Staumauer in Wölfelsgrund sind schon über 100 Jahre alt. Der Bau des genannten hydrologischen Objektes wurde im Jahre 1908 abgeschlossen.
Vier im Bau
Gegenwärtig baut das Polnischen Nationale Wasseramt für über 0,5 Milliarden zł. vier große Trockenauffangbecken, und zwar in Bobischau, Schönfeld (Foto), Obersteine und Rengersdorf. Zusammen werden sie nach Abschluss der Investition (im Jahre 2022) 16,7 Mrd. Kubikmeter Wasser stauen können. Ein wahrer Meilenstein im Hochwasserschutz wäre der Bau der 9 empfohlenen Staubecken. Zusammen könnten sie fast 30 Mrd. Kubikmeter Wasser aufnehmen.

Umsiedlungen stehen bevor

Die Realisierung der durch die Polnische Wasserbehörde vorgestellten Pläne bedeutet nicht nur einen Schutz gegen Hochwasser. Die Investition zieht immense Ausgaben nach sich (1,6 Mrd. zł.), aber auch Umsiedlungen sind unausweichlich. Anfängliche Schätzungen sprechen davon, dass, um die 9 Staubecken zu errichten, zunächst 1.170 Umsiedlungen durchgeführt werden müssten (die meisten in Obersteine – 480 – und in Oberlangenau – 392). Andererseits würde die Investition aber auch den Schutz von Leib und Leben für 8.000 Menschen bedeuten. 

Trockenauffangbecken, für die die Empfehlung ausgesprochen wurde

Oberlangenau – 6,7 Mio. m³, Wölfelsdorf – 3,7 Mio. m³, Wilhelmstal – 1,9 Mio. m³, Gompersdorf – 2,9 Mio. m³, Reyersdorf – 3,5 Mio. m³, Konradka (Konradswalder Wasser, zu Konradswalde gehörig) – 2 Mio. m³, Obersteine – 5 Mio. m³, Scharfeneck – 2,3 Mio. m³, Skrzynczana (Heinzenbach, zu Heinzendorf gehörig)  – 1,7 Mio. m³.

Uralten Grabstein entdeckt

Im August 2018 wurde bei Bodenarbeiten in der St. Georg Kirche ein Grabstein aus dem Jahr 1655 entdeckt. Damit stammt der Stein vermutlich aus der Vorgängerkirche.

Er enthält einen relativ langen Text, der wie folgt lautet:

IHS MARIA
ANN° 1655   2 MÄRZ [?] IST IN
GODT SELIG VERSCHIEDEN DER
EHRSAME VND WOHL GEACHTE
HERR TOBIAS BECKER GEWE
SENER AMBTSCHREIBER ALL
HIER IN WELFELSDORF IN DAS
7 JAHR SEINES ALTERS 31 IAR
IM EHESTAND GELEBET 9 IAR GE
ZEVGET 3 KINDER GODT WOLLE
IM VND VNS ALLEN GENEDIG SEIN
CHRISTVS IST MEIN SELIGKEIT
[SCHMERZ] BEISTAND UND GERECHTIGKEIT
AVF [IHN] TV ICH MEIN AVGEN ZV
TREFFE DEN DER MICH ÜBERWIND[EN]
TH[VT]

G. H.

Um den Text zu erkennen, müssen Sie das Bild stark vergrößern.

Es wird nun überlegt, den Stein in der Friedhofs- oder der Kirchmauer sicher zu befestigen.

Restaurierung des Lapidariums

Liebe Wölfelsdorferinnen und Wölfelsdorfer!

Im Sommer 2018 konnten wir die ausgeführten Restaurierungsarbeiten am Lapidarium begutachten. Der restaurierte Teil im Bereich des ehemaligen Schwesternhauses befindet sich mittlerweile in einem tadellosen Zustand, wie die folgenden Bilder belegen.

Der brüchige Putz wurde entfernt, die Ziegelsteine gegen Natursteine ersetzt und alle maroden Fugen erneuert.

Außerdem wurden alle Holzkreuze gereinigt und mit einer Holzschutzfarbe versehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ausgabe 2/2018

Neues aus Wölfelsdorf – Ausgabe 2/2018

In diesem Monat ist nach jahrelanger Arbeit die Renovierung der Wölfelsdorfer St-Georg-Pfarrkirche zu Ende gegangen. Nach der Außenrenovierung, die schon vor Jahren (direkt nach dem Hochwasser) geschah, hat der Wölfelsdorfer Pfarrer Marian Prochera zuerst die Sakristei renovieren und mit einer Bodenheizung versehen lassen, dann den Altarraum renovieren, eine Bodenheizung einbauen und mit hellbraunen Steinplatten auslegen lassen sowie einen neuen Ambo angeschafft, und schließlich 2017-2018 den Gemeinderaum vollständig mit einer Bodenheizung versehen und mit Steinplatten auslegen lassen. Alle Sitzbänke wurden ausgebaut, in der Werkstatt des Wölfelsdorfer Tischlermeisters Adolf Muschiol renoviert, wieder eingebaut und dabei neu verankert. Die Arbeiten wurden im Februar 2018 abgeschlossen, so dass nun die gesamte Kirche über eine Bodenheizung verfügt.

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Renovierung des Lapidariums (fast) abgeschlossen

Am 1. Oktober 2017 erreichte uns eine erfreuliche Nachricht von Heinz-Peter Keuten über den baulichen Fortschritt am Wölfelsdorfer Lapidarium.


Er schreibt sinngemäß, dass mittlerweile alle Ziegelsteine von der Mauer am Lapidarium entfernt und durch Natursteine ersetzt worden seien. Auch die Säulen beim Durchgang zum Schwesternhaus seien neu verputzt worden und werden momentan mit Dächern versehen. Wenn das Wetter mitspiele, sei eine Fertigstellung bis zum Wintereinbruch möglich. Das Unkraut vor dem Hochkreuz sei allerdings wieder munter gewachsen, so dass Paul und Martin gerne wieder eine Arbeitswoche in ihrer Heimat einlegen können (siehe Bericht vom 28. Juli 2017).

Wir freuen uns über solch guten Nachrichten aus Wölfelsdorf und danken den fleißigen Helfern vor Ort ganz herzlich!


Die folgenden Fotos zeigen den Stand der Bauarbeiten  im September 2017.

Nachdem der Putz entfernt wurde, wurden die Ziegelsteine durch Natursteine ersetzt.

Die Säulen am Durchgang zum Schwesternhaus wurden bereits neu verputzt und bekommen ein kleines Dach.

Das Unkraut wuchert wieder aus allen Fugen. Eine neue Herausforderung für Paul und Martin oder alle Wölfelsdorfer, denen der Erhalt des Lapidariums am Herzen liegt.

Renovierung Lapidarium

Renovierung des deutschen Lapidariums an der St.-Georg-Kirche

Nachdem in den vergangenen Jahren der Wölfelsdorfer Heimatverein sowohl das Hochkreuz als auch die beiden Heiligenstatuen neben dem Kreuz durch Kunstrenovatoren hat renovieren lassen und im letzten Jahr der erste Teil der Kirchhofmauer (vom Durchgang zum Schwesternhaus bis zum Schuppen) gründlich renoviert und mit einem kleinen Dach versehen worden war, haben in der Woche zwischen dem Hochwassergedenktag (9.7.2017) und dem Besuch der Wölfelsdorfer Reisegruppe (16.7.2017) Paul Rupprecht, Martin Schroller und Heinz-Peter Keuten selbst Hand angelegt und am Hochkreuz neue (in der Eisersdorfer Gärtnerei erworbene) Schmuckbäumchen gepflanzt, den Weg vom Hochkreuz zum Gebeinehaus von Unkraut befreit und die gesamte Rasenfläche gemäht. „Renovierung Lapidarium“ weiterlesen

Jahrhunderthochwasser 1997

 

Großer Festtag in Wölfelsdorf – 20 Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser 1997

Seit Monaten hatte die Dorfgemeinschaft von Wilkanów/Wölfelsdorf auf dieses Fest hingearbeitet, und am 9. Juli 2017 fand es statt: Das alljährliche Wölfelsdorfer Dorffest, in diesem Jahr als Gedenktag an das Jahrhunderthochwasser, das vor 20 Jahren den Ort heimgesucht hatte, vor  allem als Anlass zu einer Danksagung an alle Helfer aus dem In- und Ausland, dank derer der Ort wieder aufgebaut werden konnte. Wie bereits berichtet, hatte der Dorfvorstand ausdrücklich auch Vertreter aus Deutschland, insbesondere den Wölfelsdorfer Heimatverein, zur Teilnahme an den Feierlichkeiten eingeladen. „Jahrhunderthochwasser 1997“ weiterlesen

Ferien in Wölfelsdorf – kein Problem

Neben meinem Wohnhaus befindet sich ein kleines Ferienhäuschen, das ich schon seit 1994 mein eigen nennen darf und das ich, seit ich in meinem Neubau wohne, Freunden und Gästen aus Deutschland – vor allem Wölfelsdorf-Liebhabern – für Besuche in der Grafschaft Glatz gerne zur Verfügung stelle. Das Haus ist malerisch gelegen, voll eingerichtet (einschl. deutsches Satellitenfernsehen), bietet Platz für bis zu 4 Personen und hat einen eigenen Zugang zum Wölfelsbach. „Ferien in Wölfelsdorf – kein Problem“ weiterlesen

Lapidarium

Lapidarium – Sammlung von Gedenksteinen

Um den Friedhof innerhalb der Friedhofsmauern neu zu gestalten wurde im Jahre 2000 das Lapidarium errichtet. Pfarrer Prochera, der jetzige Wölfelsdorfer Pfarrer, wollte eine pflegeleichte Neugestaltung des Friedhofgeländes und war mit der Errichtung des Lapidariums einverstanden. Die Wölfelsdorfer unterstützten dieses Projekt durch Spenden.

Es folgen Fotos des Lapidariums und von alten, deutschen Grabsteinen.

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